Geschichte
Sep 25th, 2007 by admin
Die Besiedlung des Landes reicht weit zurück bis in die Mittelsteinzeit vor ca. 10.000 Jahren. Über Jahrhunderte im Lande ansässige Germanen und Slawen verschmolzen miteinander, suchten in unruhigen Zeiten Schutz auf der schwer zugänglichen Insel und errichteten dort wahrscheinlich im 9. oder 10. Jahrhundert das erste Fischerdorf. Die Insel wurde durch die Herrschenden verschenkt und verkauft. Die erste urkundliche Erwähnung Werders als “oppidum”, Städtlein, findet sich in einer Verkaufsurkunde vom 07. Juli 1317. Ritter Sloteke, Truchsess des Markgrafen Waldemar, verkaufte Werder auf Geheiß seines Herrn für 244,–Mark Brandenburgischen Silbers an das Kloster Lehnin. Die Lehniner Mönche beeinflussten die Entwicklung der Stadt erheblich.
Lange Zeit war neben der Fischerei der von ihnen geförderte Weinbau eine der wichtigsten Erwerbsquellen. In seiner Blütezeit gab es 240 Weinberge in und um Werder. Als im 18. Jahrhundert der Weinbau aus verschiedenen Gründen zurückging, nutzten die Werderschen die vorhandenen günstigen Bedingungen für den Obstanbau. In Potsdam und vor allem in Berlin boten sich gute Absatzmöglichgkeiten, und Werder wurde als “Obststadt” bekannt. Werder erhielt bereits 1459 von Kurfürst FriedrichII. das Privileg, zwei Jahrmärkte abzuhalten.
Der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. hinterließ auch in Werder seine Spuren. Für das auf der Insel stationierte Militär, wozu auch einige “Lange Kerls” aus seiner Leibgarde gehörten, ließ er 1736 die Brücke zur Insel erneuern. Auch die je nach Jahreszeit moddrigen oder staubigen Straßen wurden gepflastert, nachdem seine Kutsche einmal darin stecken geblieben war..
Die wirtschaftliche Entwicklung Werders vollzog sich besonders seit dem 18. Jahrhundert rasch und wechselvoll. Neben der Fischerei, dem Wein- und dem Obstbau waren Brauereien und Ziegeleien bedeutend und prägten Stadt und Landschaft. In den Gründerjahren Ende des 19. Jahrhunderts wurden im Gebiet von Werder ca. 30 Millionen Ziegel jährlich produziert und auf dem Wasserwege vor allem nach Berlin und Potsdam geliefert.
Gleichzeitig mit dem Rückgang der Ziegelproduktion um die Jahrhundertwende entstand die fabrikmäßige Obstverarbeitung, und verschiedene Industriebetriebe siedelten sich an. Die Entdeckung Werders in dieser Zeit als “touristische Attraktion” – besonders zum Baumblütenfest, das seit 1879 gefeiert wird – belebte die Gastronomie und besserte das Einkommen der Obstzüchter auf. Der traditionelle Obstanbau behielt seine Bedeutung. In der DDR war Werder Zentrum des Havelländischen Obstanbaugebietes, in dem fünf große Obst- und Gemüsebaugenossenschaften 12.000 Hektar bewirtschafteten.
Nach 1989 wurden die Genossenschaften aufgelöst. Jetzt ist man dabei, auch verwilderte Flächen nach und nach wieder – unter Vermeidung der bei den Großplantagen gemachten Fehler – in vernünftiger, den örtlichen Gegebenheiten angepasster Weise neu zu bebauen. Heute ist der Obstanbau nicht nur Basis für Handel und Industrie, sondern auch für den Tourismus. Die Schönheit der blühenden Obstgärten und Plantagen im Frühling, der Duft der reifen Früchte und die berauschende Wirkung Werderaner Obstweines sind unvergleichlich.


